Knie-Reha Phase 1

Knie-Reha - Phase 1

Die Operation ist vorbei – doch noch ist Schonzeit. In diesem Beitrag erfahren Sie alles, was Sie in der ersten Phase Ihrer Rehazeit nach einer Knieverletzung beachten sollen und wie Sie schnell wieder fit werden.

Wundheilung

Wunden heilen unterschiedlich. Der Heilungsverlauf und die damit verbundene Narbenbildung sind vom Alter und der persönlichen Veranlagung, von Lokalisation und Schwere der Gewebeverletzung ebenso abhängig wie von der Behandlung und Pflege. Weniger gut durchblutete Haut, die dünn und trocken ist, wird länger für die Heilung benötigen, aber mit geringer Narbenbildung abheilen. Jüngere Menschen neigen bei Verletzungen dazu, mehr Bindegewebe zu produzieren, als notwendig wäre. Dadurch entstehen in der Folge oft größere und dickere Narben. Eine gezielte Narbenbehandlung ist sinnvoll und hilfreich. 

Achtung:

Jede offene Wunde (solange noch kein bindegeweblicher Verschluss durch junge Haut erfolgt ist) stellt ein Infektionsrisiko dar. Daher sollte die Wunde immer mit Pflaster vor einer Verschmutzung geschützt werden. Bei der täglichen Hygiene sollten Sie die Wunde vor dem Kontakt mit Wasser schützen. Benutzen Sie Waschtücher oder decken Sie die Wunde mit wasserdichtem Pflaster ab.

Schmerzlinderung

"Ein Indianer kennt keinen Schmerz" - sicher kennen auch Sie diesen Spruch noch aus Ihren Kindertagen. Doch nach einer Operation ist es meist nicht sinnvoll, den Schmerz "auszuhalten". Wenn der Körper Schmerzen meldet, schränkt die Muskulatur bestimmte Bewegungen ein und „blockiert“ damit Gelenke.  Das kann zu Folgeproblemen führen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Schmerzlinderung, welche nicht nur aus „Tabletten schlucken“ besteht:

Schmerstillende Medikamente

Gerade in Akutphasen ist es sinnvoll, frühzeitig und hoch dosiert Medikamente für eine kurze Zeit einzunehmen, um den Schmerz rasch zu lindern, aber insbesondere auch, um die Entstehung einer chronischen Schmerzkrankheit zu verhindern.

Die Volksweisheit "ein Indianer kennt keinen Schmerz" ist völlig falsch! Schmerz ist ein Signal des Körpers, welches Reaktionen auslöst. So schränkt z. B. die Muskulatur auf Grund von Schmerzmeldungen bestimmte Bewegungen ein und „blockiert“ damit Gelenke. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen passende Medikamente verschreiben.

Weiterhin werden Medikamente zur Entzündungshemmung und zur Stabilisierung des Mineralienhaushalts/ Elektrolythaushalts eingesetzt.
Speziell für die Nachbehandlung von Verletzungen wurden hochwirksame Elektrolyt-Salben entwickelt, die antibakteriell, entzündungshemmend und abschwellend wirken. 

Quarkwickel

Ein Quarkwickel wirkt abschwellend, entzündungshemmend, schmerzlindernd und angenehm kühlend!

Richtige Anwendung eines Quarkwickels:

  • Quark ca. 0,5 cm dick auf eine Kompresse oder ein Tuch streichen und großflächig auf die Behandlungsfläche legen. 
  • Der Quark sollte kühl aber nicht eiskalt sein! 
  • Etwa 30 Minuten einwirken lassen bzw. bis er warm/trocken geworden ist!
  • Diese Anwendung bei Bedarf wiederholen!

Wenn Ihre Narbe verheilt ist, können Sie einen Quarkwickel auch einmal über Nacht anwenden. Bei einer offenen Wunde besteht ein Infektionsrisiko. Zum Abdecken eignet sich Klarsichtfolie oder Tape zum Abdichten.

Elektrotherapie (TENS-Verfahren)

Tens Verfahren TENS ist eine anerkannte und klinisch geprüfte Behandlungsmethode in der Schmerztherapie, die ohne Medikamente auskommt. TENS ist die Abkürzung für Transkutane Elektrische Nervenstimulation. Transkutan heißt „durch die Haut“. Einfach formuliert: Bei TENS stimulieren elektrische Impulse durch die Haut hindurch die Nerven. Die Impulse hemmen die Schmerzübertragung ans Gehirn und regen die Ausschüttung von Endorphinen an, die Schmerzen reduzieren.

Die TENS-Anwendung können Sie mehrmals täglich 20 bis 40 Minuten durchführen. Die Elektroden des Elektrotherapiegeräts werden auf der Haut rund um die Schmerzstelle angebracht. Wählen Sie dann ein Programm zur Blockierung der Schmerzübertragung bei akuten Schmerzen. Achten Sie während der Behandlung auf eine bequeme Haltung. Moderne Elektrotherapiegeräte sind einfach zu bedienen und ermöglichen eine Therapie auch zu Hause. Sie werden nicht nur zur Schmerzlinderung eingesetzt, sondern auch zur elektrischen Muskelstimulation. Damit können Sie den Rehabilitationsprozess positiv beeinflussen.

Sie können die Stimulationsenergie mit Hilfe des Geräts schrittweise steigern, so dass ein Gewöhnungseffekt verhindert wird. Die Schmerzlinderung hält in der Regel 2 bis 4 Stunden an.

Kurzzeiteis & Hot Ice

Durch Kälte wird die Nervenleitgeschwindigkeit herabgesetzt. Das führt zur Schmerzlinderung. Ein kurzer Kältereiz bis 5 Minuten bewirkt eine Gefäßverengung und einen leichten Anstieg des Blutdrucks.

Wichtig zu wissen:
Eis vermindert keine Schwellung - es verhindert nur das Entstehen oder Vergrößern einer Schwellung. Es wirkt entzündungshemmend und lindert akute Schmerzen. Deshalb können Sie Eis gezielt nach Belastungen oder zur Schmerzreduktion einsetzen. Neben Kältepackungen, Eislolly und kaltem Wasser wirken auch Arnika-Wickel oder Pfefferminzöl kühlend und schmerzlindernd. Dies ist das Prinzip der sogenannten Kryotherapie, die zur Schmerzlinderung eingesetzt wird.

Und so funktioniert's:
Die auf die Haut auftreffende Temperatur sollte zwischen 6°C und 8°C (Hot Ice) liegen und nicht länger als 12 Minuten einwirken. Danach sollte eine "Kühl-Pause" erfolgen. Diesen Wechsel sollten Sie mehrmals wiederholen. Die notwendige Kühlung können Sie mit Eiswasser erreichen oder auch mit Geräten, die das Wasser auf der optimalen Kühltemperatur halten. Manche Geräte kombinieren die Kühlung mit pulsierender Kompression. Diese Methode hat sich als besonders effektiv erwiesen.

Kühlen mit Eis-Lolly:

Bei akuten, stumpfen Verletzungen von Muskeln und Gelenken kühlt der Eis-Lolly das verletzten Körperteil. Bei Notwendigkeit einfach den Behälter aus dem Kühlfach nehmen, den Griff aus dem Behälter ziehen und den Lolly über der Verletzung kreisen lassen.


Einschub Thrombosegefahr:

Sobald Sie folgende Zeichen bemerken, wenden Sie sich umgehend an einen Arzt!

  • Muskelkaterartige Wadenschmerzen
  • Zunahme der Beschwerden im Stehen; Abnahme im Liegen
  • Vermehrte Venenzeichnung der Oberflächenvenen (Umgehungskreislauf), besonders an der Schienenbeinvorderseite
  • Überwärmung
  • Gespannte Glanzhaut
  • Wadendruckschmerzen (Lowenberg-Zeichen)
  • Wadenschmerzen beim Strecken des Fußes (Hohmann-Zeichen)

Beweglichkeit

Neben den anderen konditionellen Fähigkeiten Kraft und Ausdauer nimmt die Beweglichkeit, gerade nach Knieverletzungen/-operationen einen besonderen Stellenwert ein. Ihr gesamtes Bein, besser noch Ihr gesamter Körper, sollte so beweglich und stabil wie möglich werden.

Dabei spielt am Knie die Streckung vorerst die wichtigste Rolle. Die Beugung kommt später von ganz allein. Achten Sie daher bei allen Übungen und Bewegungen besonders auf eine möglichst vollständige Streckung (auch die letzten 1-2 Winkelgrade der Kniestreckung sollen erreicht werden) und konzentrieren Sie sich gerade in den Grenzbereichen der Streckung auf eine exakte Bewegungsausführung. 

Kniescheibenmobilisation   

Die Beweglichkeit der Kniescheibe muss von Beginn an trainiert werden. Schieben Sie die Kniescheibe vorsichtig in alle Richtungen, so wie es in den folgenden Videos und den Abbildungen gezeigt wird. Diese Übung ist für die Rehabilitation des Knies ausgesprochen wichtig. Bewegen Sie die Kniescheibe nur kurz, für einige Minuten, dafür aber mehrmals täglich.

-> Video zur Übung anschauen

Beugung und Streckung mit dem Gymnastikball

Legen Sie sich auf eine Trainingsmatte und Ihr verletztes Bein auf den Gymnastikball. Beugen Sie das Knie und ziehen das Bein zusammen mit dem Gymnastikball zu sich heran. Gleichzeitig beugen Sie auch Ihre Fußspitze in Richtung Knie. Anschließend strecken Sie Ihr Bein und auch die Fußspitze wieder nach vorne. Der Ball folgt der Bewegung des Beins. Dabei werden Sie merken, dass gerade in der Koordination von Bein und Fuß die Herausforderung liegt.

Beugung und Streckung mit Gymnastikball

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Bewegungstraining mit CAMOped

Das Üben mit CAMOped ermöglicht sehr frühzeitig eine schonende Bewegungserfahrung (Stellungs-, Bewegungs- und Kraftsinn werden angesprochen). Da im CAMOped nur der Unterschenkel geführt wird, muss der Körper die Muskeln so einsetzen, dass Ihr Gelenk eine harmonische Bewegung und gleichzeitig eine kräftige Stabilisierung zustande bringt. Das ist sensomotorisch eine sehr anspruchsvolle Aufgabe!

Übungspositionen:
Sie können das Training mit CAMOped im Sitzen oder im Liegen machen. In der Sitzposition sollten Sie sich an der Wand anlehnen. Dadurch wird ein Ausweichen des Beckens während der Übung verhindert. Legen Sie sich ein Kissen oder eine Trainingsmatte unter, so dass die jeweilige Übungsposition bequem für Sie ist.

Beginnen Sie vorsichtig mit den Übungen. Ihr Knie soll langsam wieder an die Bewegung gewöhnt werden. Führen Sie die Bewegungen ganz bewusst aus. Gerade die Umkehrpunkte (von der Beugung zur Streckung und umgekehrt) spielen eine große Rolle. Hier kann Ihr Körper wichtige Informationen für die Bewegungssteuerung sammeln. Achten Sie immer darauf, dass alle Bewegungen schmerzfrei, gleichmäßig und ruhig ausgeführt werden. Wie oft und wie lange Sie üben, besprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt, der eine entsprechende Behandlungsrichtlinie für Sie erstellt.

-> Video zur Übung anschauen

CAMOped Übung CAMOped Übung

Tipp:

Auf den ersten Blick erscheint diese Übung als sehr langweilig. Sie ist für Ihren Heilungsprozess jedoch sehr wichtig. Die Übungen zur propriozeptiven Sensibilisierung über den Fuß (Methode des sogenannten "Kurzen Fußes" nach Janda), ziehen sich in Variationen durch den gesamten Rehabilitationsverlauf.
Später können Sie diese und andere einfache Übungen mit Routinen Ihres täglichen Lebens verbinden. Üben Sie z. B. diese Standübung täglich beim Zähneputzen oder beim Telefonieren.

Mobilisation der Lenden-Becken-Hüft-Region

Das Gehen mit Gehstützen kann zu muskulären Verspannungen im Lenden-Becken-Hüft-Bereich führen, was bei vielen Patienten Rückenschmerzen verursacht.

Mit dieser Übung können Sie den Verspannungen vorbeugen, bzw. bei Schmerzen Abhilfe schaffen:
Winkeln Sie beide Beine an und lassen Sie sie langsam seitlich auf die Trainingsmatte sinken, so wie in Bild 1 gezeigt. Verharren Sie einige Sekunden in dieser Lage, bevor Sie die Beine wiederaufrichten und zur anderen Seite sinken lassen.
Wichtig dabei ist, dass Schulter und Arm auf der Gegenseite am Boden liegen bleiben. Drehen Sie, wenn möglich, auch den Kopf in die Gegenrichtung. So wird der gesamte Bereich von den Lenden bis zur Hüfte gedehnt. Um die Dehnung zu variieren, können Sie die Beine unterschiedlich stark anwinkeln.

Mobilisation Übungen

Propriozeption

Propriozeption ist ein anderer Begriff für Bewegungsgefühl oder auch Tiefensensibilität - also das Zusammenspiel der Sinne für Stellung, Bewegung und Kraft. Propriozeption ermöglicht uns eine Wahrnehmung der Stellung (Lagesinn) und der Bewegungen (Kinästhesie) von Gelenken und Gliedmaßen. Weiterhin eine Abschätzung der notwendigen Muskelkraft (Kraftsinn) zur Einhaltung oder Veränderung von Positionen. Sie ist also die Voraussetzung für koordinierte Bewegungen und motorische Reflexe.

Diese Bewegungssteuerung kann durch verschiedene Faktoren gestört werden, z. B. durch Nervenverletzungen, durch Schädigungen am Bewegungsapparat (insbesondere an Gelenken, Sehnen, Bändern, Muskeln), und durch länger anhaltende Unbeweglichkeit. Signalisieren die Bewegungsmelder dem Gehirn, dass der Untergrund, auf dem Sie stehen, sehr glatt ist (z. B. Eis), werden Ihre Beinmuskeln eine andere Spannung aufbauen (Sie werden sich anders bewegen), als auf sicherem Untergrund. Melden die Schmerz- und Mechanorezeptoren, dass eine Störung/Verletzung im Gelenk vorliegt (wie nach einem Unfall oder einer OP), führt das erst einmal zur Einschränkung der Bewegungen. Ihr Bein fühlt sich steif und unbeweglich an.

Durch die folgenden Übungen können Sie Ihre Bewegungsfähigkeit erhalten bzw. wiederherstellen. Dies gelingt aber nur, wenn Sie regelmäßig trainieren - am besten täglich.

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Aufstehen aus kurzer Kniebeuge mit Gymnastikball

Stellen Sie Ihre Füße etwa hüftbreit auseinander und stehen Sie "in Zeitlupe" auf. Versuchen Sie dabei, Ihren Rücken gerade zu halten (Brust leicht nach vorne herausdrücken). Stützen Sie die Hände in die Seite, so dass notwendige Ausgleichsbewegungen von den Beinen übernommen werden.

Kniebeuge mit Gymnastikball

Stabilisationsübung mit Gymnastikball

Üben Sie zuerst mit dem gesunden Bein vorne, dann wechseln Sie auf das operierte Bein.
Bewegen Sie Ihr Bein bei dieser Übung so, dass das Knie immer gerade nach vorne zeigt. Führen Sie zu Beginn Ihr Knie leicht mit den Händen, später allein.
Als Steigerung können Sie diese Übung in Phase 2 mit nur einem Bein durchführen. Nehmen Sie also nicht die Hände zu Hilfe. Heben Sie das andere Bein vom Boden ab. Beginnen Sie auch hier mit dem gesunden Bein, dann folgt das operierte.

Stabilisationsübung mit Gymnastikball

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