Kompressionsstrümpfe richtig tragen und pflegen: Tipps für den Alltag

 

Kompressionsstrümpfe können die Durchblutung unterstützen, Schwellungen reduzieren und Beschwerden in den Beinen lindern. Damit sie ihre Wirkung optimal entfalten, ist es wichtig, sie korrekt anzuziehen und richtig zu tragen. Gerade das Anziehen kann aufgrund des festen Materials anfangs etwas Übung erfordern. Mit der richtigen Technik und einigen praktischen Tipps wird es jedoch schnell zur Routine.

 

 

Das Wichtigste im Überblick 

  • Am besten morgens anziehen: Dann sind die Beine meist noch wenig geschwollen und die Haut sollte trocken sein.
  • Auf die richtige Technik achten: Den Strumpf bis zur Ferse auf links wenden und anschließend gleichmäßig und faltenfrei über das Bein streifen.
  • Tragedauer individuell beachten: Wie viele Stunden Kompressionsstrümpfe getragen werden sollten, hängt vom Anwendungsgrund und der ärztlichen Empfehlung ab.
  • Nachts meist ausziehen: In vielen Fällen werden Kompressionsstrümpfe nachts nicht benötigt. Ausnahmen sollten mit medizinischem Fachpersonal abgestimmt werden.

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Wie zieht man Kompressionsstrümpfe an?
  2. Wie viele Stunden am Tag darf man Kompressionsstrümpfe tragen?
  3. Kann man Kompressionsstrümpfe auch nachts tragen?
  4. Was ist der Unterschied zwischen Kompressionsstrümpfe und Thrombosestrümpfen?
  5. Wie oft sollte man Kompressionsstrümpfe waschen?

 

Wie zieht man Kompressionsstrümpfe richtig an?

 

Kompressionsstrümpfe sitzen deutlich enger als herkömmliche Strümpfe. Das ist notwendig, damit sie den vorgesehenen Druck auf das Bein ausüben können. Gleichzeitig macht die enge Passform das Anziehen etwas anspruchsvoller.

 

Am besten werden Kompressionsstrümpfe morgens direkt nach dem Aufstehen angezogen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Beine in der Regel noch wenig geschwollen. Wichtig ist außerdem, dass die Haut trocken ist. Feuchte Haut oder frisch aufgetragene Cremes können das Anziehen erschweren.

 

Kompressionsstrümpfe richtig anziehen – Schritt für Schritt

 

  1. Schmuck ablegen: Ringe und Armbänder sollten vor dem Anziehen abgelegt werden, damit das Material nicht beschädigt wird. Auch auf scharfe oder eingerissene Fingernägel sollte geachtet werden.
  2. In den Strumpf greifen: Greifen Sie mit einer Hand in den Kompressionsstrumpf und fassen Sie die Ferse von innen.
  3. Strumpf auf links wenden: Ziehen Sie den Strumpf bis zur Ferse auf links. Der Fußbereich bleibt dabei im Inneren.
  4. Fuß einsetzen: Schlüpfen Sie vorsichtig mit dem Fuß hinein und achten Sie darauf, dass Ferse und Fußspitze richtig positioniert sind.
  5. Strumpf über das Bein ziehen: Rollen bzw. streifen Sie das Material anschließend Stück für Stück gleichmäßig über das Bein nach oben.
  6. Sitz kontrollieren: Verteilen Sie das Material gleichmäßig. Der Strumpf sollte faltenfrei sitzen und weder verdreht noch umgeschlagen sein.

Wichtig: Ziehen Sie einen Kompressionsstrumpf nicht einfach am oberen Rand kräftig nach oben. Dadurch kann das Material unnötig belastet werden und der Strumpf kann ungleichmäßig sitzen.

 

Wer Schwierigkeiten beim Anziehen hat, kann spezielle Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe verwenden. Sie können insbesondere bei eingeschränkter Beweglichkeit oder geringer Handkraft hilfreich sein. Auch spezielle Handschuhe erleichtern das Greifen und gleichmäßige Verteilen des Materials.

 

Bei medizinischen Kompressionsstrümpfen ist außerdem die richtige Passform entscheidend. Sind die Strümpfe deutlich zu eng, rutschen sie ständig oder verursachen sie Schmerzen, Druckstellen oder Taubheitsgefühle, sollte die Passform fachlich überprüft werden

 

 

Wie viele Stunden am Tag darf man Kompressionsstrümpfe tragen?

 

Wie lange Kompressionsstrümpfe getragen werden sollten, hängt vor allem vom Grund der Anwendung und der ärztlichen Empfehlung ab. Medizinische Kompressionsstrümpfe werden häufig morgens angezogen und tagsüber getragen. Am Abend vor dem Schlafengehen werden sie in vielen Fällen wieder ausgezogen.

 

Eine allgemeingültige maximale Anzahl an Stunden gibt es deshalb nicht. Je nach Erkrankung, Kompressionsklasse und Therapieziel können sich die empfohlenen Tragezeiten unterscheiden. Nach Operationen oder bei bestimmten venösen beziehungsweise lymphatischen Erkrankungen können beispielsweise andere Vorgaben gelten als bei Kompressionsstrümpfen, die lediglich zur Vorbeugung eingesetzt werden.

 

Grundsätzlich gilt: Wer medizinische Kompressionsstrümpfe verordnet bekommen hat, sollte sich an die individuell empfohlene Tragedauer halten. Bei Schmerzen, ausgeprägten Druckstellen, Taubheitsgefühlen oder auffälligen Veränderungen der Haut sollte medizinischer Rat eingeholt werden.

 

 

Kann man Kompressionsstrümpfe auch nachts anlassen?

 

In vielen Fällen werden medizinische Kompressionsstrümpfe nachts ausgezogen. Im Liegen verändert sich die Belastung des Venensystems, da die Schwerkraft anders auf die Beine wirkt als im Stehen oder Sitzen. Deshalb ist eine Kompression über Nacht bei vielen Anwendungen nicht erforderlich.

 

Es gibt jedoch Ausnahmen. Nach bestimmten Operationen oder im Rahmen spezieller medizinischer Behandlungen kann eine Kompression auch während der Nacht vorgesehen sein. Ob und wie lange Kompressionsstrümpfe nachts getragen werden sollen, sollte daher immer individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt beziehungsweise einer entsprechend qualifizierten Fachkraft abgestimmt werden.

 

Wer unsicher ist, sollte die Strümpfe nicht eigenständig dauerhaft über Nacht tragen, sondern zunächst klären, welche Trageweise für die jeweilige Situation vorgesehen ist.

 

 

Was ist der Unterschied zwischen Kompressionsstrümpfen und Thrombosestrümpfen?

 

Thrombosestrümpfe und medizinische Kompressionsstrümpfe unterscheiden sich vor allem in ihrem Einsatzbereich und ihrer Wirkung. Thrombosestrümpfe werden hauptsächlich bei bettlägerigen oder wenig mobilen Patienten und Patientinnen eingesetzt. Sie dienen vor allem der Vorbeugung einer Thrombose.

Medizinische Kompressionsstrümpfe sind dagegen vor allem für mobile Patienten und Patientinnen gedacht. Sie unterstützen den venösen Rückfluss und werden zur Behandlung verschiedener Venen- und Lympherkrankungen eingesetzt.

 

Kurz gesagt: Thrombosestrümpfe dienen vor allem der Thromboseprophylaxe bei immobilen Patienten und Patientinnen, Kompressionsstrümpfe der Behandlung von Venen- und Lympherkrankungen bei mobilen Patienten und Patientinnen.

 

 

Wie oft sollte man Kompressionsstrümpfe waschen?

 

Kompressionsstrümpfe sollten nach jedem Tragen, bei täglicher Nutzung also jeden Tag, gewaschen werden. Die regelmäßige Reinigung ist nicht nur aus hygienischen Gründen wichtig, sondern trägt auch dazu bei, die Kompressionswirkung und Elastizität des Materials möglichst lange zu erhalten.

 

Beim Tragen kommen die Strümpfe mit Schweiß, Hautschuppen, Hautfett sowie möglichen Creme- oder Salbenrückständen in Kontakt. Diese Ablagerungen können das Gestrick und die elastischen Fasern auf Dauer beeinträchtigen. Gleichzeitig gibt das Material durch Körperwärme und Bewegung während des Tages etwas nach. Durch das Waschen kann sich das Gestrick wieder zusammenziehen und seine ursprüngliche Form und Druckwirkung besser erhalten.

 

So waschen Sie Kompressionsstrümpfe richtig:

  • Kompressionsstrümpfe können je nach Pflegehinweis per Hand oder in der Waschmaschine gereinigt werden. Dabei sollten einige Punkte beachtet werden:
  • Waschen Sie die Strümpfe möglichst täglich nach dem Ausziehen.
  • In der Waschmaschine empfiehlt sich ein Schonwaschgang bei 30 bis maximal 40 °C – beachten Sie dabei immer die Herstellerangaben.
  • Verwenden Sie ein mildes Feinwaschmittel oder ein spezielles Waschmittel für Kompressionsstrümpfe.
  • Verzichten Sie auf Weichspüler, Bleichmittel und optische Aufheller, da diese die Fasern beeinträchtigen können.
  • Bei der Handwäsche sollten die Strümpfe gründlich ausgespült, aber nicht ausgewrungen werden.
  • Kompressionsstrümpfe mit Haftrand sollten vor dem Waschen möglichst auf links gedreht werden.
  • Eine chemische Reinigung ist für Kompressionsstrümpfe nicht geeignet.

 

Kompressionsstrümpfe richtig trocknen

Auch beim Trocknen ist ein schonender Umgang wichtig. Am besten lassen Sie die Strümpfe an der Luft trocknen. Direkte Sonneneinstrahlung und das Trocknen auf der Heizung sollten vermieden werden, da starke Hitze das Material beschädigen kann. Auch Bügeln ist nicht geeignet. Ob die Strümpfe im Trockner getrocknet werden dürfen, hängt vom jeweiligen Produkt ab und sollte anhand der Pflegehinweise des Herstellers geprüft werden.

 

Kurz gesagt: Wer seine Kompressionsstrümpfe täglich trägt, sollte sie auch täglich waschen. So werden Schweiß und Rückstände entfernt und gleichzeitig die elastischen Eigenschaften des Gestricks unterstützt. Die richtige Pflege trägt damit wesentlich dazu bei, dass die Strümpfe hygienisch bleiben und ihre medizinische Kompressionswirkung möglichst lange erhalten.

 

 

Fazit

 

Kompressionsstrümpfe können ihre medizinische Wirkung am besten entfalten, wenn sie richtig angezogen, entsprechend der individuellen Empfehlung getragen und sorgfältig gepflegt werden. Ein faltenfreier Sitz und die passende Tragedauer sind dabei ebenso wichtig wie die regelmäßige Reinigung. In der Regel werden die Strümpfe tagsüber getragen und nachts ausgezogen – je nach Erkrankung oder Behandlung können jedoch andere Vorgaben gelten.

 

Auch die richtige Pflege trägt dazu bei, die Elastizität, Passform und Kompressionswirkung möglichst lange zu erhalten. Deshalb sollten Kompressionsstrümpfe nach jedem Tragen gewaschen und anschließend schonend getrocknet werden. Bei Unsicherheiten zur Tragedauer, Passform oder Anwendung sollte medizinisches Fachpersonal hinzugezogen werden.